Über den Bergbau in Altenhain

Die weitaus längste Zeit seiner Geschichte ist der Mensch ohne Metalle ausgekommen, hat er seine lebensnotwendigen Gerätschaften aus organischen (z.ÿB. Holz, Knochen) und mineralischen Rohstoffen (z.ÿB. Quarzit oder Silex) angefertigt.


Sämtliche Metallerze blieben die längste Zeit der Menschheitsgeschichte ungenutzt.

Auch das, was augenscheinlich vor seiner Nase lag, hat der Mensch nicht verwendet:

Rasen- Sumpf oder Wiesenerz zum Beispiel.

Auch Gold, das sich teilweise aus Flüssen gewinnen und einfach verarbeiten lässt, taucht erst ab der späten Jungsteinzeit auf, das ist gerade mal 7000 Jahre her.


Die frühe Verwendung von Metallen ist vor allem im vorderen Orient nachgewiesen, in Mesopotamien, in Indien und auf der Hochebene von Anatolien.


Die berühmte Gletscherleiche „Ötzi“, die 5000 Jahre nach seinem Tod in den Ötztaler Alpen gefunden wurde, hatte eine geschäftete Beilklinge aus Kupfer bei sich.


Dreihundert bis vierhundert Jahre nach der Bronze tauchte das Eisen auf.

Ältester Beleg für die Verwendung von Eisen nördlich der Alpen ist ein Dolchgriff aus der Slowakei, datiert zwischen 1743 und 1776 vor Chr.


Insgesamt sind gegenwärtig aus Mittel- und Nordeuropa über 160 Nachweise vorhanden, die den Umgang mit Eisen bereits während der Bronzezeit belegen. Doch kann erst ab etwa 800 v.ÿChr. in diesem Raum von einer beginnenden Eisenzeit gesprochen werden.


Es ist nun nicht so, das die Altenhainer erst im 19. Jahrhundert das Eisen für sich entdeckt hätten, aber vor 150 Jahren beginnt ein Boom. Die Metalle und überhaupt die Bodenschätze haben Hochkonjunktur in Nassau und Altenhain mischt da kräftig mit.

Wie kam es zu diesem Boom?

Das Recht am Bergbau (Bergregal) stand ursprünglich nur dem König zu.

1356 wurde dieses Recht durch die Goldene Bulle den Kurfürsten übertragen und im Laufe der Zeit auch den übrigen Territorialherren.

Das gewohnheitsrechtliche „gemeine deutsche Bergrecht“ wurde in Bergordnungen kodifiziert, die Gesetzeskraft hatten.

Das wichtigste Prinzip des modernen Bergrechts war die so genannte „Bergbaufreiheit“.

Das heißt, bestimmte Bodenschätze wie Eisenerz, Blei- und Silbererz, Zinkerz, Kupfererz und andere, waren dem Verfügungsrecht des Grundeigentümers entzogen und jedermann konnte die Verleihung des Bergwerkeigentums an diesen „bergbaufreien „ Mineralien erlangen.

Die Frühindustrialisierung hatte einen Heißhunger auf Rohstoffe ausgelöst und das Berg- und verhüttungsgewerbe bot in den industriell kaum entwickelten Gebieten zunehmend mehr Menschen Arbeitsplätze und Erwerbsmöglichkeiten.

Neben der Land- und Forstwirtschaft war das Berg- und Hüttenwesen der wichtigste Wirtschaftszweig im Herzogtum Nassau. Verbunden damit war der Ausbau von Straßen und Wegen für den Transport der Bodenschätze, die Schiffbarmachung der Lahn, der Bau von Eisenbahnstrecken.

Berg - und Hüttenarbeiter waren, bis auf wenige Fachleute, ausnahmslos „Landeskinder“.

Kinder arbeiteten natürlich auch im Bergbau, sie schoben die Loren in viel zu niedrigen Stollen oder sortierten die Gesteine oder waren „Waschkinder“ beim Auswaschen der Erze.

Es schien eine Weile, als sollte unser Dorf und seine Nachbarschaft am Südhang des Taunus ein Industriegebiet werden.

In unserer Gemarkung habe ich 5 Gruben ausgemacht:


2 Gruben im Bereich Eisenkaute an der B8 nach Königstein


1 Grube in der Mühlhell („Mühlhölle)


1 Grube an der alten Hornauer Straße (Grube „Werner“)


1 Grube im Mailborn (Grube „Königszug“)


Wie erfolgreich unsere Altenhainer Gruben waren, wie viele Leute dort beschäftigt waren und wann der Betrieb wieder eingestellt wurde, das ist im Details noch zu klären. Es gibt darüber

Unterlagen im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden und im Oberbergamt Bonn.


Allgemein lässt sich sagen, dass der geologische Untergrund im Gebiet des Herzogtums Nassau aus Gesteinen des Devons besteht, die in einem ausgedehnten Meeresgebiet als Ablagerungen (Sedimente) oder durch Vulkantätigkeit unter dem Meer vor etwa 400 Millionen Jahren entstanden sind. Dann hat sich das Ganze verfaltet zu einem Gebirge von der Höhe der Alpen und wieder flach gelegt, um Platz für ein neues Meer zu machen, das Tertiär - Meer.


Das Eisenerz speziell ist vor 65 Millionen Jahren durch Ablagerungen des Tertiär - Meeres entstanden. Ein Meer bis hinauf zu den Hängen des Staufens und Rosserts.


Das Meer ist dann auch wieder verschwunden und zurück blieb der Taunus, wo wir unser Erz in unregelmäßigen und nicht zusammenhängenden Nestern und Linsen, sattel - und muldenförmig finden in Tiefen zwischen 3 bis 20 Metern.


Die Erzlager sind unterschiedlich dick, mal wenige Zentimeter, gelegentlich auch schon mal 2 Meter.


Mit dem Abbau der Erze wurde um 1850 begonnen.


Die Grube „Werner“ und die Grube „Königszug“ mussten Ihren Betrieb bald wieder einstellen wegen Wassereinbrüchen, unter dem Mailborn sollen sich große Wasservorkommen befinden, Ernst Henninger spricht gar von einem See.


Steigende Abbaukosten, die Erschöpfung der aufgeschlossenen Erzlager in den Gruben und der immer geringer werdende Erlös für Eisenerz brachten den Bergbau schon um 1870 wieder zum Erliegen.

Aus England, Schottland und Belgien wurde billigeres Erz angeboten, die Holzkohle für die Verhüttung wurde knapp, die Wälder machten schlapp und für den Transport von Steinkohlekoks aus dem Ruhrgebiet fehlten die Transportmöglichkeiten.


Der Abbau des Erzgesteins erfolgte in Tiefen zwischen 3 - 20 Metern.


Die Strecken unter Tage waren 1 - 1,50 m breit und 160 - 180 hoch, meist frei im Gestein, nur die Schächte waren mit Bolzenschrotzimmerung gesichert.


Die Belegschaft war unterschiedlich stark zwischen 2 und 40 Mann.


Das Erzgestein hatte bei uns hier einen Eisengehalt von 30 - 60 Prozent.


Zur Verhüttung wurde das Erz entweder zum „Eisenhammer“ bei Niedernhausen gebracht,


oder zur Rheinhütte nach Biebrich,


oder ab 1858 zur „Eisenschmelze“ nach Höchst.

Hohlwege

Am Ausgang des Altenhainer Tales nach Soden hin werde ich Ihnen 2 Prachtexemplare von Hohlwegen zeigen, die parallel auf die Teufelskanzel zulaufen.


Hohlwege entstehen durch jahrhundertelange Nutzung mit Vieh und Fuhrwerken und abfließendes Regenwasser.


Die oft sumpfigen Niederungen waren für Pferd und Wagen oft nicht passierbar.

Bauern, Winzer und Heerscharen nutzten deshalb die Höhenzüge, um ihr Ziel zu erreichen.

Jahrhunderte fuhren sie die selben Wege.


Erde und Gestein lockerten sich.


Bei starkem Regen und bei Schneeschmelze erodierte das lose Material und die Wegsohle schnitt sich immer tiefer in den Untergrund ein.


Je nach Gefälle konnten sich die Wege bis zu 10 cm pro Jahr vertiefen.


Sie brauchten ein Gefälle von mindestens 2 %.


Bei starkem Gefälle entstanden richtige Schluchten in der Landschaft.

Wir stehen hier vor so einer Schlucht und wenn Sie mal wieder an der Roten Mühle sind, dann schauen Sie sich einmal die Viehtrift hinter der Mühle an.


Dort wurde das Vieh über Jahrhunderte vom Kloster Retters in den „Beidenauer Grund“ getrieben und der Begriff „Schlucht“ ist dort keine Übertreibung.


Oder wenn Sie wieder wandern gehen, dann schauen Sie rüber nach Mammolshain.

Dort verläuft die alte Straße von Frankfurt über Limburg nach Köln von Schwalbach nach Königstein.

Die Straße steigt steil an.

Heimische Fuhrleute spannten vor allem bei schlechtem Wetter vor und verdienten sich ein Zubrot.

Wenn ein Weg nicht befahrbar war, hat man im festen Boden nebenan eine neue Spur geschaffen.

Wir finden dort in der Höhe Dutzende von Spuren nebeneinander, ein Hohlweg am anderen.

Mit der häufigen Benutzung von Verkehrswegen und der wachsenden Bevölkerung war mehr Disziplin auf den Straßen gefordert.

Im Sachsenspiegel, einem Rechtsbuch aus dem 13. Jahrhundert (Ritter Eicke von Repgow) finden wir erste Verkehrsregeln.

Die dort geforderten breiten Straßen blieben die Ausnahme, die Regel blieb der „enge Weg“, der Hohlweg.

Begegnungsverkehr war in einem Hohlweg nicht möglich. Man gab sich beim Einfahren in den Hohlweg Signale durch lautes Knallen der Peitschen oder Hornsignale.


Immer öfter mussten die Straßen ausgebessert werden: „flicken und flicken, bis sie die ganze Natur dieser Wege zerstört und durch den nächsten den besten Sand oder Kot, Wasen, Stroh und Quecken das sonst noch erträgliche Terrain zu grundlosen Morästen und Fluch auspressenden Mordwegen umschaften.“


Um Hohlwege ranken sich oftmals Legenden.


Die weltweit bekannteste Legende um einen Hohlweg stammt aus der Schweiz.


Der Schweizer Wilhelm Tell soll im November 1307 den Landvogt Gessler zu Altdorf aus sicherem Versteck an einem Hohlweg bei Küssnacht mit der Armbrust erschossen haben. Sie alle kennen das Zitat aus dem Theaterstück von Friedrich Schiller:


Durch diese hohle Gasse muss er kommen …….



Wolfgang Wawrzyniak

Bad Homburg v.d.H.

Die Teufelkanzel

Es ist nur noch ein unscheinbarer Rest vorhanden von der „Teufelskanzel“ (in früchristlicher Zeit hat man alle heidnischen Relikte in Verbindung mit dem Teufel gebracht!).


Beim Wegebau nach Altenhain sollen Teile von diesem Felsen abgesprengt worden sein.


Postdirektor a.D. H. Vohl hat 1923 in den „Nassauischen Jahresheften“ vermutet, die „Teufelskanzel“ sei der Opferstein einer vorchristlichen Niederlassung und Teil eines germanischen Prozessionsweges.


Die Niederlassung (Malstatt) siedelt Vohl nord-östlich von „Mailborn“ und „Linnebörnche“ an, was gut zu unseren Hügelgräbern im „Dicknet“ passen könnte. Wo so viele Hügelgräber sind, da muss es auch eine Siedlung gegeben haben.


Auf der beigefügten Skizze können Sie den Prozessionsweg nachvollziehen über die Schindkaut (bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts befand die sich dort!), die Schönheller Gass, Völbel, Bluts, Hostert und Hipperich.


Ich muss zugeben, dass ich mich wieder hineingefressen habe in Vohl's Aufzeichnungen, aber mehr als eine schöne Geschichte ist das auch heute nicht und auch Vohl's Deutung der Flurnamen bedarf noch einmal einer aktuellen Überprüfung.


Allein die vorgeschichtliche Siedlung an Mailborn und Linnebörnche in der Nähe der Hügelgräber und die Teufelskanzel als Opferstein oder Gerichtsstätte machen einen Sinn.


Im Grunde sind wir, was diesen Teil unserer Geschichte angeht, nicht viel weiter als unser Postdirektor a.D. 1923.

Er schreibt: „Hoffentlich finden sich zu der fraglichen Heimatarbeit bald die nötigen Hilfskräfte.“

Ich würde ihm heute antworten: Gründen Sie doch einen Geschichtsverein!


PS: Jetzt wissen wir, dieser Hohlweg führte vorbei an der Schindkaut hoch zur vorgeschichtlichen Siedlung, zum Mailborn, Linnebörnche und Hügelgräbern und sicher weiter Richtung Beidenau und Hornau, wenn es die damals schon gegeben haben sollte.


©  Altenhainer GeschichtsVerein e.V.
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