Kerb in Alehaa

Geschichte und Geschichten, Vortrag am 4.9.2008 von Wolfgang Wawrzyniak, Bad Homburg v.d.H.


Wir erinnern uns: Im letzten Vortrag habe ich vor allem über die enorme Belastung des Gemeindehaushalts durch Militärausgaben gesprochen.

Ab 1704 taucht regelmäßig bis 1710 der Ausgabeposten

„für Abkaufung der Milizen“ 51 Floren auf.

(Abkaufung ist gleichbedeutend mit Auslösung, Ablösung)


Weshalb wollten die Altenhainer zwischen 1704 und 1709 keine Männer für den Militärdienst abstellen?


Nun, ganz einfach, Altenhain baut eine Kirche!

1702 hat man sie geplant.


In der Gemeinderechnung steht,

„Bürgermeister und Kirchbaumeister haben ein Glas Wein verdruncken und über die Kirch nachgedenket“,


20 Kreuzer auf Gemeindekosten sind eingetragen,


Von 1704 bis 1710 werden alle wehrfähigen Männer beim Kirchenbau gebraucht.


Kerb in Aleha

Alte Altenhainer Kirche


1709 ist die Kirche fast fertig, es fehlt nur noch der Altar.

Die Gemeinde muss Schulden machen, man leiht sich 170 Gulden bei Salmon Kling, einem reichen Juden in Königstein.

Der hat schon öfter ausgeholfen, wenn Altenhain in Nöten war. Sicher gab es da auch eine Beziehung zu dem Glaubensbruder Ambschel Judt, der in Altenhain wohnte und dafür Beisaßgeld an die Gemeinde zahlte, eine Art Schutzsteuer!?


Vermutlich am 8. September 1710, dem Sonntag nach Maria Geburt, wird die Kirche geweiht.


Der Kurfürst kommt höchstpersönlich aus Mainz und auch die Pferde seiner kurfürstlichen Gnade verzehren nach der Gemeinderechnung von 1710 sicher leckeren Haber (Hafer) aus Altenhain.


1 Gulden 6 Kreuzer kostet der Spaß.


Kurfürst war damals Lothar Franz von Schönborn aus einem rheinischen Adelsgeschlecht.

Die Familie stellte bedeutende Kirchenfürsten.

Das Schloss in Bruchsal, die herrlichen Residenzen in Würzburg und Bamberg, sowie Schloss Weißenstein in Pommersfelden, gehen alle auf die Schönborns zurück.


Und dieser 8. September 1710 ist seitdem Anlass für unsere Aalehaaner Kerb!


Seitdem fahren wir zur Kerb nach Aalehaa,


seitdem sind wir lustig und ein bisschen zu,

saufen wir hier und saufen wir da,


erheben die Gläser zur Mitte, zum Sack und zum Hoden.


Und es muss ein Aalehaaner Schoppe sei,

den aus Neuehain kannste nämlich vergesse.


Ja, sie gehören auch zur Kerb, die Chauvi- und Machosprüche,

die neuen und die alten,


da sind die Geeleriebe (gemeint sind die Neuenhainer) aus Büchse von Bonduell dabei

und auf Gina Lolo Pritschida reimt sich - wozu sind die Titten da!


Auf Lieder, Sprüche und Brauchtum werde ich gleich noch eingehen.


Im Grunde könnten die Altenhainer sogar 2-mal Kerb feiern, denn am 3. Juli 1932 wurde unsere neue Kirche eingeweiht.


Das alte Fachwerkkirchlein, zuletzt mit Schiefer verblendet, hatte seinen Dienst getan, 221 Jahre lang.


Nach der Gemeindeverordnung von 1702 wurde übrigens auch der Zimmermann für die Holzarbeiten ausgeworben.


Er wurde „vor Weinkauf gedinkt“, das heißt, bei einem guten Altenhainer Tropfen ist man sich einig geworden.


Nun sollten sie mich an dieser Stelle fragen: Ja, was war denn vorher, gab's da keine Kerb in Aalehaa? Kei Kerch, kei Kerb!?


Natürlich gab's Kerb.


Denn es gab ja eine Kirche – und die stand in Schneidhain!

Altenhain gehörte zur Pfarrei Schneidhain.


1215 wird die Kirche in Schneidhain erstmals in einer Urkunde zusammen mit der Burg Königstein erwähnt.


Die Mutterkirche der Vogteidörfer war unten im freien Reichsdorf Sulzbach, in Schneidhain hatten wir einen Filialbetrieb.


Die Altenhainer gingen nach Schneidhain in die Kirche, dort wurde geheiratet und über den Totenweg brachten sie ihre Toten zum Kirchhof nach Schneidhain.


Das blieb auch so bis 1581. Solange bestand die Herrschaft des Limburger Abtes und seiner Vögte über Altenhain – 349 Jahre! Mindestens, vermutlich noch länger, aber wir müssen ja immer von unserer ersten urkundlichen Erwähnung 1232 ausgehen.


Für uns Altenhainer wäre es eigentlich mehr als ein Pflichtbesuch dorthin zum Kloster Limburg an der Hardt in der Nähe von Bad Dürkheim. Dort ist nicht nur die Wiege der Altenhainer Kultur, in den Mauern der Klosterruine wurden im 11.Jahrhundert auch die Reichsinsignien Krone, Zepter und Reichsapfel aufbewahrt, weil die Äbte von Limburg als besonders zuverlässig galten.


Es ist ein ehrwürdiges Gefühl, dort zwischen den gewaltigen Mauern zu stehen!




1581 gingen die Vogteidörfer in den Besitz von Kurpfalz über, genauer an Pfalz – Simmern, denn die Kurlinie war 1559 schon ausgestorben.


Der Kaiser hatte nämlich dem Kurfürsten David von Mainz nach dem Tod des letzten Grafen von Stolberg - Königstein die Grafschaft Königstein als Reichslehen versprochen.


Und zu dieser Grafschaft gehörten mittlerweile auch die Vogteidörfer Sulzbach, Soden, Neuenhain, Altenhain, Schneidhain.


Die Schneidhainer Pfarrei wurde mit diesem Besitzwechsel aufgehoben und die Einwohner von Altenhain und Schneidhain wurden umgepfarrt nach Neuenhain.


Und nun wird es kompliziert: Der neue Landesherr war nämlich nicht katholisch sondern reformiert - calvinistisch, ergo auch seine Landeskinder.


Die Kurpfalz hatte sich 1545 der Reformation angeschlossen. Aber schon 1563 unter Kurfürst Friedrich dem Frommen zur calvinistischen Lehre bekannt, das ist eine strenge, eher fundamentalistische Auslegung der Reformation.


Am 03.10.1581 begann für unser Dorf und die Vogtei Sulzbach eine neue Zeit.


Im November des gleichen Jahres wurden die Grenzen umritten und umschritten und von allen Einwohnern die Anerkennung des neuen Landesherrn verlangt.

Diesen Vorgang nannte man „Huldigung“, der sich jährlich wiederholte.


Die neue Verwaltungsstelle wurde in Neuenhain eingerichtet und wegen der besonderen Stellung der freien Reichsdörfer Sulzbach und Soden, wurde fortan auch nicht mehr von der „Vogtei Sulzbach“ sondern vom „Amt Neuenhain“ gesprochen. Ab 1581 haben wir uns gewissermaßen von der bis dahin gemeinsamen Geschichte mit Sulzbach und Soden getrennt.


1582 begannen die Bauarbeiten für den neuen Amtssitz mit Zehntscheuer und Kellereigebäuden zunächst an der Hauptstraße in Neuenhain.


Alles war viel zu klein geraten, wie man bald feststellte.


Zum Glück konnte man sich mit dem Kloster Thron bei Wehrheim einig werden und 1589/90 den Thröner Hof erwerben, einen Gutshof des Klosters in Neuenhain und konnte dort großzügig planen, bauen,

verändern.



Erst 1652 werden wieder 2 Religionen zugelassen.


Neuenhain bleibt reformiert,

Altenhain und Schneidhain katholisch.

Das letzte evangelische Gemeindemitglied in Altenhain starb 1769.


Bis Altenhain endlich seine eigene Kirche hatte, gab's manche Reibereien, wie man sich vorstellen kann.


Die Altenhainer beschimpften die Neuenhainer als „calvinistische Hunde“, die ihren „Kratzenkuchen als Säudisch“ fressen (Abendmahlsbrot am Altar).


Es sind sogar handfeste Prügeleien überliefert: In den Grundserlen überfallen die Altenhainer Katholiken die Neuenhainer Reformierten und zerbrechen ihnen Heugabeln und Rechen, weil sie die Feiertagsruhe nicht eingehalten haben.


Das konnte aber auch ärgerlich sein, denn in stramm katholischen Gegenden gab es sage und schreibe bis zu 200 Feiertag im Jahr.

Die Altenhainer mussten für ihren Fanatismus eine scharfe Rüge aus Mainz einstecken, das ging selbst den katholischen Obrigkeiten zu weit.


Mit diesem kleinen Rückblick wollte ich deutlich machen, die Altenhainer feierten auch schon vor 1710 Kerb und es wurde zu allen Zeiten ordentlich Kerbwein verzapft.


Am Kirchweihtag 1702 z. B. musste der Gastwirt Johann Gottschalk

2 Florin als Kerbegeld in die Gemeindekasse zahlen.

Der Florin oder Goldgulden hatte 1702 einen Gegenwert von 5 Gänsen oder 18 Hühnern.


Kerb in AlehaKerb in Aleha

Kerb am Grünen Baum in Altenhain


Auf Gemeindekosten wurden auch der Herr Pfarrer und der Schulmeister versorgt.

„Item zahlt ich (Gemeinde ) Bertram Gottschalk (Gastwirt) so er den Herrn Pfarrer und den Schulmeister auf unsre Kirchwey verpflegt hat 1 Florin 16 Kreuzer“.

So ist in der Gemeindeverordnung von 1715 zu lesen. Das war Naturalentlohnung für Messe und Orgelspiel.

Kirchweih, Kirmes, Kerb - wo sind die Ursprünge dieses ausgelassenen Festes zu suchen, das mehrmals unter dem Einfluss der Kirche vom Landesherren auch verboten wurde. Wenn es gar zu wild hergegangen war, wurde „ dem Unwesen im fressen, saufen, zanken, balgen, der Spielerei, Büberei und Schlägerei, dem entsetzlichen Schießen und abscheulichen Jauchzen" oft ein jahrelanges Ende bereitet.



Schlägereien auf Kerb und Volksfesten, nichts Neues, alles schon da gewesen, es hat sich nichts verändert, neu sind nur die Baseballschläger und Teleskopschlagstöcke.

Den Ursprung des Festes verbinden wir nach katholischen Vorstellungen mit der Reinigung des Gotteshauses von dämonischen Einflüssen am Tag der Kirchweih. Es mischen sich christliche und heidnische Brauchtumssymbole anlässlich der Kerb, Beziehungen zu den römischen Bachanalien, den Festen des Schwelgens und Wohllebens werden nicht ausgeschlossen. Völlerei und Tanz nicht mehr für germanische Gottheiten, sondern nun zu Ehren des Christengottes? Um die frühe Herkunft der Kerb ranken sich Phantasien und Spekulationen, konkret ist allein die Weihe der Kirche als Wohnstatt Gottes, in der er allgegenwärtig ist.


Kerb in Aleha, Kerbeborsch  Altenhain 1919

Kerbeborsch Altenhain1919


Eine andere Quelle will das Fest mit Konstantin dem Großen in Verbindung bringen (280 – 337), der in seiner Eigenschaft als Alleinherrscher Christen und

Heiden Religionsfreiheit gewährte.


Schauen Sie, da muss man dann erst einmal schauen, wie seriös eine Quelle ist. Die Kirchenglocke als solche ist nämlich erst seit dem 8. Jahrhundert bekannt und der Große Konstantin war alles andere als ein sattelfester Christ und hat sich erst auf dem Totenbett taufen lassen.

Richtig ist hingegen, dass die Weihe der Kirche und Glocken immer ein Grund zum Feiern waren und das bald im jährlichen Rhythmus. Da wurde auch gut gegessen und getrunken. Vom 12. bis ins 19. Jahrhundert war deshalb von „Fress- und Saufkerb“ die Rede. Vielfach üblich war das Sammeln von Naturalien durch die Kerbeborsche und die Versorgung von Bettlern als Akt der Nächstenliebe.

Die große Zeit der Bettler und Zecher war vorbei, als um 1700 die Kirchweihfeste fast alle auf den Herbst verlegt wurden. Sie können sich vorstellen, das Festvolumen wurde hierdurch erheblich gemindert!

Sich von Fest zu Fest durchzuschnorren, das war zu Ende.


Die Kirmes oder Kerb wurde dann oft auch im Zusammenhang mit einem besonderen Ernteprodukt der Region gefeiert.


Von der „Kerschekerb“ bis zur „Pfefferminzkerb“ war alles drin.


Drüben in Kronberg feiern die am Fuße der Burg, die Thäler, ihre Kirchweih nach dem Johannistag (24. Juni). Bis zur Jahrhundertwende stand die Kerb im Zeichen der Kirschernte und bekam in den 30iger Jahren den Namen „Erdbeerkerb“, weil man auf dieses Produkt umgestiegen war.


Gewöhnungsbedürftig sind manche Getränke zur Kerb.


Der Äppelwoi geht ja noch, aber warmes Bier zum Kerwekuche in der Schwalm!? Und danach ein honiggesüßter Branntwein für die Damen.

Für die Herren den „Elsterbitter“, eine Salbeitinktur, ein alkoholischer Auszug aus der Heilpflanze Salbei. Jedenfalls soll der „Elsterbitter“ alle üblen Folgen der Fress- und Saufkerb verhindert oder beseitigt haben.


Redensartlich hat sich Kerb oder Kerwe aus „Kirmes“ entwickelt, Kerbe, Kirbe, das war die Kirmes, die Kirchweih.


Kerb war aber auch die Gesäßfurche und jemand „auf die Kerb einladen“ konnte auch „leck mich am Arsch“ bedeuten. Da musste man also vorsichtig sein.


Kerbebaum und Schlackes verlieren sich ebenfalls im Dunkel der Vergangenheit, als Götter noch in den Bäumen und heiligen Hainen lebten. Baum vielleicht auch einfach nur als Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit, dem Lichte entgegenstrebend?

Eine Tanne oder Fichte als Sitz des Schlackes bot sich des Transportes und der Form wegen an, oder kann sich einer unsere Kerbeburschen beim Hochwuchten einer 10 m hohen Eiche vorstellen?

Im Schlackes, der männlichen Puppe am Kerbebaum , wird überall in Deutschland der Zöllner Zachäus erkannt, der einst auf den Baum stieg, um Jesus besser sehen zu können.


Zachäus war ein jüdischer Zollpächter aus Jericho.

Beim Einzug in die Stadt begrüßt Jesus ihn und kehrt dann in sein Haus ein.

Ein Skandal: Jesus kehrt bei einem Sünder ein.

Dabei muss man wissen, Zöllner waren als Steuereintreiber von der römischen Besatzungsmacht eingesetzt, sie waren als Kollaborateure

(jemand der Verrat begeht [Nomen]Verleumder, Zwischenträger, Judas, Denunziant, Petzer, Verräter, Wortbrecher, Ketzer, Treuloser, Zuträger, Abtrünniger, Überläufer, Spion )


verhasst und waren gesellschaftlich isoliert, nicht zuletzt, weil sie auch in die eigene Tasche wirtschaften.

Der Baum, auf dem Zachäus in Jericho saß, der Urbaum des Kerbebaums, wenn sie so wollen, ist heute noch in Jericho zu sehen, ein 2000 Jahre alter Maulbeer- Feigenbaum.


Der Aalehaaner Schlackes jedenfalls sitzt auf einer Tanne , nicht aber um den Erlöser zu sehen, sein Blick ist immer nach Neuenhain gerichtet. Vor dort ist alles, nur nichts Gutes zu erwarten.

Die Kerbeburschen werden mit den „Mannbarkeitsriten“, mit der Aufnahme junger Burschen in die Gemeinschaft der Krieger und Männer in Verbindung gebracht. Bei den Germanen war das so und im 17. und 18. Jahrhundert rekrutierten sich die Kerbeburschen oft aus dem geschlossenen Jahrgang der jungen Leute, die zum Militär einberufen wurden.

Der Gickelschlag (früher mit echtem Gockel) ist heute ein unblutiges,amüsantes Spiel und dürfte einem germanischen Opferritual entsprechen.

Kerb in Aleha


Während der Schlackes als Strohpuppe oben auf der Tanne sitzt, nennt sich in persona auch der Anführer der Kerbeburschen ? Schlackes.




Unser Schlackes ist ein Mann.

In Weilbach drüben und in vielen anderen Orten in Nassau, Rheinhessen und der Pfalz sitzt eine weibliche Figur auf dem Kerbebaum.

Dort wird die Puppe mit dem Brauchtum des Mädchenraubes in Verbindung gebracht.

Aus dem Kerbeumzug heraus wurden die Kerbemädchen geraubt.

Das war gefährlich und ging nicht ohne blaue Flecken ab bis man auf die Idee kam, eine mitgeführte Puppe zu rauben.


Die Burschen hatten nun nur noch einen symbolischen Beschützerauftrag, aber den konnten sie jetzt ungehemmt und ohne Körperverletzung erfüllen.


Das Loch für den Kerbebaum heben die Kerbeburschen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag vor dem Kerbewochenende aus.


Das wohl bekannteste Lied, das an der Kirchweih überall gesungen wird, ist „Kerbeborsch sind lustige Brüder, haben frohen Mut.“ Es ist in seiner Urfassung ein 300 Jahre altes Soldatenlied, statt Kerbeborsch hieß es „Musketier“.


Immer auch spielten zur Kerb Zoten und Lumpenlieder eine ebenso große Rolle wie die Sprüche, die traditionell zur Kerb gehören.


- Ri, Ra, Runkel, im Hühnerarsch ist's dunkel

- Kerbeschlunse habbe große Bunse

- Was frisst die Kuh, was scheißt die Kuh?

- Was hat die Oma unterm Rock? – Heu, Heu, Heu

- Wem ist die Kerb? – Unser!

- Was is die Blutworscht ohne Griebe? –Bluns!

- Wem is der Brunser? – Unser!

- Kerbeborsche wollt ihr juxe? – Juhu!

- Saufe mer wie immer? – noch viel schlimmer!

- Saufe mer wie sonst? – umsonst!


Diese Wechsel – Sprechchöre gehen auf alte Rituale der Kelten und Germanen zurück und haben einen kriegerischen Ursprung.


Griechische und römische Reiseschriftsteller haben uns das überliefert.

Mit den Wechselrufen hat man sich vor und während der Schlacht Mut gemacht, das waren Ablenkungsmanöver, da hat man seine Angst überwunden und weggeschrien.

Das war Psychologie, lange vor Freud.


Wem ist die Kerb - unser!

Wollt ihr den Kampf gewinnen? – Ja!

Wollt ihr den totalen Krieg? - Ja!!! aus tausend Kehlen.

Dieser Wechselspruch hat ein ganzes Volk besoffen gemacht.

Wem is die Kerb? - Unser!


Auch aus den Fußballstadien kennt man solche Wechselgesänge.

Im Internet finden Sie hunderte Seiten, Fangesänge nach Vereinen sortiert.

Themen im Forum : Fangesänge nach Vereinen

„Haben nur 3 Tag gesoffen, ist die Kerb dann aus,

dann schickt uns der Kerbepfarrer wieder ohne Geld nach Haus.“


Alles hat ein Ende, auch die Alehaner Kerb


Nach drei tollen Tagen wird die Kerb feierlich begraben. Auch hier wieder starke Symbolik und Mythologie, unser Leben besteht aus Abschieden, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Geburt, Wachstum, Alter und Tod.


Ich habe in meiner Altenhainer Zeit nur einen Kerbepfarrer gekannt, bzw. erlebt. Das war Don Antonio, Toni Ohlenschläger


Dieser geniale Spötter mit seinem bissigen Humor hatte das Dorfgeschehen des jeweils letzten Jahres immer treffend im Visier, da hat jeder sein Fett abbekommen. Aber unter die Gürtellinie ging das nie, das waren feine, geschliffene Vorträge. Er hat Ereignisse, Zustände und Personen kritisch und ironisch, komisch-satirisch, nie aber zynisch oder destruktiv auf's Korn genommen.

Der Kerbepfarrer war lange Zeit aus dem Brauchtum verschwunden, weil die einflussreiche Kirche die satirische Nachahmung der geistlichen Herren nicht ertragen wollte.

Mit Toni Ohlenschläger erlebte der Kerbepfarrer seine wahrhaftige Auferstehung.

Diese schöne Erinnerung ist ein wunderbarer Schluß.


Gruppenfoto Altenhainer Kerbeborsch 1984 mit Toni „Don Antonio

" />Gruppenfoto Altenhainer Kerbeborsch 1984 mit Toni „Don Antonio" Ohlenschläger


©  Altenhainer GeschichtsVerein e.V.
Free counter and web stats