Über die „Gemeinen Gebäuen“, die Ratsstube und die Schule im Altenhainer Rathaus

Wolfgang Wawrzyniak, Bad Homburg v.d.H. 01.06.2009



Bis Ende 1896 war die Altenhainer Schule im ehrwürdigen Rathaus in der Langgasse

(heute: Langstraße) untergebracht.


Vorderseite Altenhainer Rathaus, Langstraße

Vorderseite Langstraße


Das Rathaus und die Schule begegnen uns mehrfach in alten Gemeinderechnungen.

So ist schon kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Rechnung von 1652 die Rede von der Instandsetzung der »Ratsstube«: 4 Fenster macht der Glaser von Eppstein,

Kalk und Farbe werden beschafft für Stube und Ofen, Haar für den

Lehmputz der Wände, die Tür bekommt einen neuen Drücker.


In 2 alten »Schatzungsregistern«, d.h. Grundstücks-Verzeichnissen für die Steuern

(mhd. schatzunge „Abgabe, Steuer; Schätzung“), von1654 und 1661 begegnen wir dem »Gemeindehof«.

Was darunter zu verstehen ist, das erläutert uns die Rechnung von 1695 mit einem Verzeichnis der »Gemeinen Gebäuen«:

«Das Rathäuslein, worunter die Gemeine- Schmidt (Schmiede) und der Backofen begriffen, neben noch zwei dabeistehenden Hirtenhäuslein mit zwei Ställen«.


Vorderseite Altenhainer Rathaus, Langstraße

Vorderseite


Die Rechnung von 1694 erwähnt eine Uhr, die aufgezogen, gestellt und geschmiert wird. In dem Uhrtürmchen hängt auch die Glocke, mit der morgens und abends das Ave-Maria-Läuten geschieht, natürlich auch das Glockenzeichen für Gemeinde-Versammlungen und das »Stürmen« bei einem Brand im Dorf.

Den Glöckner- und Uhr-Dienst versieht damals Georg Andreas Wohlfahrt, auch 1702 noch. Seine Besoldung sind 2 Gulden pro Jahr. 1695 wird die Ratsstube neu gedielt. Die Rathaustür bekommt ein neues Schloss.


Damals gab es in Altenhain noch keine Schule. Aber 80 Jahre später, 1775, hat die Gemeinde im »Rathäuslein« eine Schule eingerichtet, so gut es ging.

Das hinderte ja nicht, dass an manchen Abenden die Schulstube als Ratsstube benutzt wurde, sofern nicht die Schöffen einfach im Haus des Schultheißen ihre Beratung abhielten.


Über die Zahl der Schulkinder besitzen wir aus den ersten 50 Jahren der neuen Schule keine Angaben.

Die erste Schülerzahl stammt aus dem Jahre 1825:

29 Buben, 22 Mädchen, also 51.



Aber von 1794 ist bekannt, dass die Schulstube renoviert wurde.

Und 1827/28 hat man das Rathaus und Schulgebäude umgebaut und durch einen einstöckigen Anbau vergrößert. Das Rathaus bekam sein heutiges Aussehen.


Altenhainer Rathaus, Von schräg oben

Von schräg oben


Eine Lehrerwohnung gab es um 1775 zunächst noch nicht. Ob der damalige Schulmeister Reinhardt täglich von Kelkheim herüberkam oder ob er in Altenhain bei einem Verwandten wohnte?

Nach Reinhardt waren von 1797 bis 1818 lauter geborene Altenhainer in ihrem Heimatdorf Schulmeister und wohnten in ihrem Elternhaus.

Lehrer Johann Schmidt blieb auch während seines Altenhainer Dienstes bis 1820 in der katholischen Schule in Neuenhain in der Höllgasse wohnen. Auch sein Nachfolger Künstler wohnte bis 1822 dort.

Erst durch den Verkauf dieses Gebäudes durch die Regierung 1821 und die Verteilung des Erlöses von 1085 Gulden auf die 3 Dörfer Neuenhain, Altenhain und Schneidhain bekam die Gemeinde Altenhain mit 393 Gulden die Mittel in die Hand, die Altenhainer Rathausschule mit einer Lehrerwohnung auszustatten. In der Besoldungs-Aufstellung des Lehrers Deisner von 1822 findet sich denn auch ein Betrag von 15 Gulden als »Anschlag der Wohnung« verzeichnet, damit ist der Jahresmietwert der neuen Lehrerwohnung gemeint. In diese Wohnung zieht 1829 auch der verheiratete Lehrer Röther mit seiner Familie ein.

Inzwischen ist im Schulzimmer nicht alles beim Alten geblieben. 1825/26 schafft die Gemeinde 10 neue »Subsellien« an, Tische mit Bänken, ausgestattet mit Tintenfässern. Subsellien (lat., niedrige Sitze) Die kosten 52 Gulden. Zwei neue Abtritte werden angelegt, im Freien, wohl hinter dem Gebäude. Vor allem aber:

Altenhainer Rathaus

Rückseite


1827/28 wird der einstöckige Anbau errichtet, der erlaubt, das Schulzimmer zu erweitern. Auch der Altbau wird damals renoviert, Ende August ist man mit allem fertig. Wie hötig diese Baumaßnahmen waren, das wird 1829 deutlich: 72 Kinder werden damals in Altenhain unterrichtet. Da die Schülerzahl von ihrem Höchststand mit 76 in 1832 bis 1835 wieder absinkt auf 58 und bis 1862 nur auf 64 ansteigt, reicht das Klassenzimmer vorerst aus. Die Ansprüche auf Platz, Luft und Licht sind damals bescheiden gegen heute. Obwohl es 1864 wieder 76, 1865 und 1867 dann 78 und 1890 und 1891 sogar 79 Schüler gibt, ist doch von Erweiterung keine Rede mehr. 1876 wird von Instandsetzung berichtet, 1878 von Lehrmittel- und Lehrbücher-Beschaffung für 40 Gulden. Sommer 1879 gibt es einen neuen Fußboden für‘s Schulzimmer und neuen Außenputz des Gebäudes. Aber dann tauchen nach dem Einzug des neuen Lehrers Fleith 1892 Neubaupläne auf, und infolge einer Revision der Schulverhältnisse durch den Bad Homburger Landrat von der Heydt und den

Altenhainer Rathaus, Glockenturm vin innen

Turm von innen


Kreisbauinspektor Bleich kamen Verhandlungen in Gang, die die Regierung förderte. Zuerst begann ein langes Suchen nach dem geeignetsten Bauplatz. Der Platz der alten Schule zwischen Langgasse und Kirchhohl war zu beengt, eine Erweiterungsmöglichkeit fehlte völlig. Auch lag er auf der Winterseite, zuviel im Schatten. Grundstücke am »Hasegärtchen« oberhalb der heutigen Treppe durch den Kastanienhain und gegenüber der Kirche standen zur Wahl neben einem Platz rechts vom »NeuenWeg«, heute Heidenfeldstraße, bei der ehemaligen „Brechkaut“ (Altenhainer Flachskauten, hier wurde der „geröstete“ Flachs gebrochen).

Für diesen Platz hat man sich dann entschieden.


Quellen: Gemeinderechnungen, Schatzungsregister, Pfarrer Raven

Fotos und Gestaltung: J.G. , Altenhain



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