Altenhain zwischen 1702 und 1721
Alte Gemeinderechnungen entstaubt und neu belebt

Wolfgang Wawrzyniak, Bad Homburg v.d.H.

Vortrag in Bad Soden - Altenhain 08.08.2008


Diesmal habe ich mir die nicht immer einfach zu lesenden Gemeinderechnungen aus der Zeit von 1702 bis 1721 vorgenommen.

Manche Gemeinderechner haben eine gestochen scharfe, schöne Schrift, andere eine ziemliche Saupfote.

Alte Rechnungen, das sind keine trockenen Zahlenwerke! Wenn man hinter die Dinge schaut, blättert sich die bunte Vielfalt des Lebens in Altenhain vor 300 Jahren auf.

Erlauben wir uns einen Blick hinter die Kulissen.


Auffällig sind ständige Ausgaben für militärische Zwecke.


Kein Wunder auch:


Zwischen 1667 und 1815 war unsere kleine Gemeinde direkt oder indirekt an 16 Kriegen beteiligt.


16 Kriege in 145 Jahren!


Nicht 30 Jahre am Stück, aber der spanische Erbfolgekrieg, in den wir hineingerissen waren, dauerte von 1701 bis 1714.


Oder der große Nordische Krieg währte von 1700 bis 1721.


Man muss sich gar nicht in Details verlieren, die vergisst man sowieso ganz schnell wieder,

die Geschichte der Kriege ist immer gleich:


es geht um Rache, um Ehre, um die alleinseligmachende Religion, es geht um Macht und Reichtum und im Zusammenhang damit auch Bodenschätze, heute vor allem um Öl.


In allen Gemeinderechnungen, die ich ab 1702 eingesehen habe, schlagen die Militärausgaben besonders heftig zu Buche:


Montierungskosten für die Truppenausstattung 49 Floren


Floren (lat. Florenus, ital. Fiorino, franz. Florin), eine im 11. Jahrhundert in Florenz geprägte Münze von feinem Gold, ein Quentchen schwer und von der Größe eines Dukatens, mit dem Bild Johannes des Täufers auf dem Revers.

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Florin aus dem Jahr 1347

Dergleichen Münzen wurden bald auch in andern Ländern geschlagen, so die Florins de Florence unter Ludwig VI. und Ludwig VII. in Frankreich (Florin d'or und Florin St-George). Es entstand daraus sowohl der Goldgulden des Mittelalters als der Gulden der neueren Zeit, der noch jetzt mit den zwei ersten Buchstaben des Wortes Florin (Fl.) bezeichnet wird.


Monturgeld für Uniform, Stiefel und Flinten 69 Floren


Landmilizkosten 51 Floren


(lateinisch natürlich von militia und bedeutet Militärdienst im Volksheer. Angehörige der Milizen waren Wehrpflichtige im Gegensatz zu den Berufssoldaten)



Montur für Ausschesser 13 Floren


(Ausschesser waren sog. Halbsoldaten der Landmiliz, also so was wie eine bewaffnete und uniformierte Bürgerwehr)


Und dann heißt es:


„Für Abkaufung der Milizen“ 51 Floren


(Abkaufung ist gleichbedeutend mit Auslösung, Ablösung)


Weshalb wollten die Altenhainer zwischen 1704 und 1709 keine Männer für den Militärdienst abstellen?


Nun, ganz einfach, Altenhain baut eine Kirche!


1702 hat man sie geplant.


In der Gemeinderechnung steht, „Bürgermeister und Kirchenbaumeister haben ein Glas Wein verdruncken und über die Kirch nachgedenket“,

20 Kreuzer auf Gemeindekosten sind eingetragen,


Von 1704 bis 1710 werden alle wehrfähigen Männer beim Kirchenbau gebraucht.


1709 ist die Kirche fast fertig, es fehlt nur noch der Altar, die Gemeinde muss Schulden machen, man leiht sich 170 Gulden bei Salmon Kling, einem reichen Juden in Königstein.

Der hat schon öfter geholfen, vielleicht hat der Ambschel Judt aus Altenhain vermittelt!?


Vermutlich am 8. September 1710, dem Sonntag nach Maria Geburt, wird die Kirche geweiht.


Der Kurfürst kommt höchstpersönlich aus Mainz und auch die Pferde seiner kürfürstlichen Gnaden verzehren nach der Gemeinderechnung von 1710 sicher leckeren Haber (Hafer) aus Altenhain.


1 Gulden 6 Kreuzer kostet der Spaß.


Zurück zum Krieg!


Seit 1701 tobt der spanische Erbfolgekrieg.


Ansprüche auf das Erbe erheben Ludwig XIV. , unser französisches Sonnenscheinchen für das Haus Bourbon und Kaiser Leopold I. für das Haus Habsburg.



Bourbon ist der Name eines alten französischen Geschlechts, das sich nach dem Schloss Bourbon in der alten Landschaft Bourbonnais (Castrum Borboniense, jetzt Bourbon-l'Archambault ) nannte. Die heutigen Bourbonen sind wie die Valois eine Nebenlinie der Kapetinger .

Die Dynastie teilt sich im Laufe der Jahrhunderte in mehrere Unterlinien auf, die in einigen europäischen Staaten regierten (Frankreich , Spanien , Sizilien und kurzfristig Kastilien ). Heute stellt nur noch der spanische Zweig mit Juan Carlos I. ein Staatsoberhaupt. In agnatischer Linie entstammt auch Großherzog Henri v. Luxemburg dem Haus Bourbon, doch wird er üblicherweise nicht diesem, sondern dem Haus Nassau-Weilburg zugezählt.

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Wappen der Bourbonen als Könige von Frankreich und Navarra (1589-1830)

Die französischen Könige aus dem Haus Bourbon sind:

1. Heinrich IV. (1589-1610)

2. Ludwig XIII. (1610-43), von dessen jüngerm Sohn, Philipp, die Orléans abstammen

3. Ludwig XIV. (1643-1715)

4. Ludwig XV. (1715-74)

5. Ludwig XVI. (1774-92), gestürzt durch die französische Revolution

6. Ludwig XVIII. (1814(15)-24)

7. Karl X. (1824-30), gestürzt durch die Julirevolution 1830

· Louis-Philippe I , der „Bürgerkönig“, gestürzt 1848 (Haus Bourbon-Orléans)




Die Habsburger sind ein europäisches Adelsgeschlecht , dessen Name sich von der Habsburg im Aargau (Schweiz), ihrer Stammburg, herleitet. Mitglieder der Habsburger-Dynastie herrschten jahrhundertelang über Österreich , Böhmen und Ungarn . Von 1438 bis 1740 gehörten alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches dem Haus Habsburg an. Im 16. und 17. Jahrhundert herrschten Habsburger auch über die Königreiche Spanien und Portugal und deren überseeische Besitzungen in Amerika, Afrika und Asien.

Nach dem Tod des letzten männlichen Habsburgers, Kaiser Karls VI. , 1740 trat die von dessen Tochter Maria Theresia mit Franz I. Stephan von Lothringen begründete Dynastie Habsburg-Lothringen die Nachfolge an und stellte von 1765 bis zum Untergang des Heiligen Römischen Reiches 1806 erneut die Kaiser; der letzte römisch-deutsche Kaiser, Franz II. begründete 1804 das erbliche Kaisertum Österreich , welches bis 1918 bestand. Nebenlinien der Dynastie Habsburg-Lothringen regierten in der Toskana , in Modena und in Parma sowie kurzzeitig in Mexiko. Die noch heute bestehende Familie Habsburg-Lothringen wird umgangssprachlich weiterhin als „Habsburg“ bezeichnet.

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Das Kleine Wappen der Gesamtmonarchie 1806-1915 zeigte das Wappen des Hauses Habsburg, umgeben vom Orden vom Goldenen Vlies und getragen von einem Kaiseradler, der die Hauskrone der Habsburger, die nunmehrige österreichische Kaiserkrone



Der spanische Erbfolgekrieg ist ein europäischer Krieg und es ging um das Erbe des kinderlosen letzten spanischen Habsburgers König Karl VI.


In groben Zügen können Sie oben etwas über diese beiden großen Adelsgeschlechter nachlesen.


Der europäische Adel war so engmaschig verbunden, dass man immer irgendwie zu einer Kriegspartei gehörte.


Jedenfalls war Altenhain 1702 schon mittendrin im Kriegsgetümmel und sollte abgefackelt werden, niedergebrannt.

Lichterloh hätten die 40 Fachwerkhäuser des Dörfchens gebrannt mit den Reetdächern.


Die Altenhainer wurden vor die Wahl gestellt:


Brand oder Brandschatzung?

Niederbrennen und Plünderung oder Geld!?


69 Gulden Brandschatzung waren sich die Altenhainer wert!


Brandschatzung ist die Zwangserhebung von Geldbeträgen (das ist der > Schatz) unter Androhung des Niederbrennens und der Plünderung.


Und jetzt wird es sprachlich interessant:

zuständig war der Brandmeister, ein Offizier im Regimentsstab der Landknechtsheere.


Er zog im Feindesland mit besonders rüden Gesellen, den Brandknechten los, „verhandelte“ und drohte und trieb die Brandschatzung ein oder zündete an.


Unter diesem Aspekt sollten die heutigen Brandmeister noch einmal über ihren Titel nachdenken.

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1705 entsteht für das Cellische Rote Regiment in Altenhain ein Pferdelazarett. Das Regiment war so nach seinen roten Helmbüscheln benannt.

105 Gulden kostet das Lazarett die Altenhainer.


1715 tauchen in der Gemeinderechnung Ausgaben für die Keisserliegenfelcker auf.

Es sind nur 15 Floren und 70 Kreuzer, aber das Wort hat mir lange Kopfzerbrechen bereitet.

Man muss viel Fantasie aufwenden, um dahinter zu kommen, dass mit Kaisserliegenfelcker kaiserliches Fußvolk gemeint ist, kaiserliche Infanterie, Fußtruppen. Da muss man ja erst mal dahinterkommen!




Eine andere Ausgabe in der Rechnung von 1715:


„Brot und Bier für etliche kurfürstliche Meentzer Soldates, die über Nacht in Altenhain gelagert.“ 40 Kreuzer


Es gibt erfreulicherweise natürlich auch jede Menge zivile Ausgaben, das Leben geht trotz Krieg weiter.


Die Kellerei in Neuenhain hat einen sogenannten Exequierer

beschäftigt, die Kosten werden auf die Gemeinden der Vogtei umgelegt.

Der Exequierer ist ein Schulden und Steuereintreiber, eine unangenehme Figur, die auch unbefohlen ohne Auftrag bei den Schuldnern vorbeischaut und deren Schuld freundlichst in Erinnerung bringt.

Sie fordern gern mehr, als dem Gläubiger zusteht und wirtschaften in die eigene Tasche, es sind skrupellose Betrüger, aber unter dem Strich erfolgreich.

Ein Spruch aus der Zeit der Exequierer ging so:


Behüt uns Gott vor teurer Zeit,

vor Maurer und Zimmerleit,

vor Schinder und Exequierer,

vor Doktor und Barbierer.


Da haben wir alle Spitzbuben in einem Vierzeiler.


Interessant folgende Ausgabe:

„Item zahlt ich, so ist verzehrt worden als wiehr mit den Neuwen heimer den Exzess gehabt wegen der Schwein“

1 Floren 8 Kreuzer


Was war passiert?




Die Altenhainer haben Weiderechte der Neuenhainer verletzt, ihre Schweine auf Neuenhainer Grund fressen lassen.

Eine lässliche Sünde, da waren die Neuenhainer großzügig, aber die Altenhainer mussten einen ausgeben.

1 Floren 8 Kreuzer


In den Gemeinderechnungen finden sich nur wenige Beanstandungen der Rechnungsprüfer, der Gemeinderechner hat zuverlässig und gewissenhaft gewirtschaftet. Nur 1702 ist ein Randvermerk angebracht:


„Dieses Papier ist aber sehr teuer“ heißt es da.


In allen Rechnungen ist zu lesen:


„Item zahlt ich als den Kiehen die hörner abgeschieden worden seindt“ 20 Kreuzer


Über Jahrhunderte wird das gemacht, warum nur!?

Unfallsicherheit, Tradition, Kopfläuse!?

Schauen Sie sich diese Bilder an

Die Kuh ohne Horn ist eine Kuh ohne Würde.


Einen Grund, „den Kiehen die hörner abzuschieden“ gibt es, die Sicherheit und Verletzungsgefahr. Ein alter Landwirt lässt uns wissen, dass insbesondere dort, wo Pferd und Kuh oder Ochse gemeinsam angespannt wurden, den Paarhufern die Hörner entfernt wurden, um das Pferd zu schützen. Schon, wenn die Kuh nur lästige Fliegen wegschütteln will, wird's gefährlich. „Gäulsbauern“ hatten nie Kühe mit Hörnern. Auch bei den Rinderherden auf der Weide oder bei den freilaufenden Rindern in Offenställen werden den Leittieren oft die Hörner entfernt bzw. durch entsprechende Tinkturen deren Wachstum verhindert, sagt uns der Fachmann.




Auf der gleichen Seite der Gemeinderechnung von 1715 erscheint das Faselvieh.

„Item zahlt ich vor saltz vor das gemeine Fasel Fieg zu Under halten“ 20 Kreuzer

Ein Absatz weiter steht:

„Item denJenigenso die Mastung in dem Walt besichtigt zahlt“

1 Floren

20 Kreuzer für einen Leckstein und 1 Floren für die Aufsicht bei der Waldmast.

Was ist denn ein Fasel Fieg, ein Faselvieh?

Nun, unter Faseln versteht man die Fortpflanzung des Geschlechts.


Fasel ist ein junges Zuchttier,

es ist die junge Brut von Zuchtvieh aller Art.

Es gibt den Faselochsen, richtigerweise Faselbullen,

es gibt den Faselhengst,

den Faseleber,

den Faselbock,

aber auch den femininen Teil der jungen Brut:

Das Faselschwein, die Faselkuh, die Faselziege.


In einer anderen Rechnung ist vom Reitochs die Rede.

Der Reitochs wurde nicht geritten,

sondern er ritt die willigen Kühe und sorgte für Nachwuchs.


Die Kühe waren bereit, wenn sie „ochsig“ waren.

Der Reitochs oder Faselochs sorgte also für Nachwuchs.


Es gab aber auch noch den Fahrochs.


Das war ein kastriertes Tier und wurde als Zugtier eingesetzt.


Das Faselvieh wurde fast jährlich ausgewechselt, um möglichst gesunden und kräftigen Nachwuchs zu haben.

Betreut wurde der Faselochs vom Kuhhirten, der sich in Tierheilkunde sehr gut auskannte.

Der Kuhhirte kümmerte sich auch um die übrigen Rindviecher des Ortes und die Tierhalter ernährten ihn, sie speisten ihn ab.

Daher kommt die Redewendung „abspeisen“. Jemand mit dem notwendigsten versorgen.


Andere Ausgaben, die ich spontan heraus gefischt habe:


Der Schlosser von Königstein bessert und richtet die Uhr im Rathaus

für 1 Floren 13 Kreuzer.

Der Klöckner erhält 9 Kreuzer „vor baumöl zur Uhr.“


1715 leistet sich Altenhain eine Monstranz für 1 fl. 39 Kreuzer


Den Altenhainern muss ich nicht erklären, was eine Monstranz ist ! ?


Natürlich kommt es aus dem Lateinischen monstrare und bedeutet zeigen


Es ist meist ein kostbares liturgisches Schaugerät mit einem Fensterbereich, in dem eine konsekrierte (geweihte) Hostie zur Verehrung und Anbetung ausgesetzt wird.

Monstranzen sind seit dem 13. Jahrhundert üblich.


Was mich interessieren würde, gibt es diese Monstranz noch?


Bislang war nur von den Ausgaben die Rede, woher kamen denn die à Einnahmen?


Die Einnahmen setzen sich zusammen aus

- ständigen Zinsen und Abgaben

- aus Pacht und Hausmieten

- aus dem Kirchweihgeld (eine Art Vergnügungssteuer)

- aus Abgaben von „ausländischen“, also Nichtgemeindemitgliedern. In einer Schatzung wurden diese Ausgaben festgelegt.

- Aus dem Waidhammelgeld (eine Steuer, die im September auf alle kastrierten männlichen Schafe, Hammel nennen die sich, erhoben wurde)


Unter dem Strich kamen da am Ende doch einige hundert Florin oder Goldgulden zusammen und meist wurde ein ausgeglichener Haushalt präsentiert, manchmal sogar ein Haushaltsüberschuß.


Einnahmen und Ausgaben lagen zwischen 1702 und 1721 in Altenhain bei ca. 500 Floren im Durchschnitt.


Um es zu verdeutlichen:


1 Florin oder Gulden bestand aus 30 Albus oder 60 Kreuzern


Eine Gans kostete um 1700 à20 Kreuzer,

ein Pferd à 7 ½ Gulden,

eine Muttersau à9 Gulden,

ein Malter Hafer kostete in Altenhain à 40 Kreuzer




Malter meistens 12 Scheffel, in der Schweiz (1838-1876) 10 Viertel (Getreidemaß)

1,25-2,2 hl

1,5 hl (Baden und Schweiz)

1,28 hl (Hessen)

6,955 hl (Preußen)

12,478 hl (Sachsen



3 Ausgaben wollte ich nicht vergessen haben:


- der Klöckner Johannes Schauer erhält 1715 3 Gulden, weil er brav die Uhr stellt und abends und morgens Ave Maria läutet


- und er bekommt noch mal 6 xer (Kreuzer) „vor seiner Mieh, so er in der Walbersnacht in der Kirch geleuth hat.“


Der 1. Mai soll für die Kelten einer der wichtigsten Tage ihres religiösen Jahres gewesen sein: Sie feierten den Beginn der Sommerzeit, in der die Erde wieder zum Leben erwacht. Auch die Germanen kannten mutmaßlich derartige Frühlingsfeste. Sie feierten es mit Freudenfeuern und befragten die „weisen Frauen“, die „Hagazussen “, die in den „heiligen Hainen “ angeblich auf der Schwelle zwischen der Menschen- und der Geisterwelt saßen, nach der Zukunft.

Mit Beginn der Christianisierung wurde der „heidnische Hokuspokus“ zu Treffen finsterer Mächte umgedeutet und die Hagazussen wurden als Hexen, als weibliche Verkörperung des Bösen, die mit dem Teufel im Bunde waren, diffamiert . So wurde in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai weiter um das Feuer getanzt - jetzt allerdings zur Abwehr der Hexen. Die Menschen zogen weiter lärmend durch die Straßen. Nicht mehr, um den Frühling zu begrüßen, sondern um Geisterwesen zu verscheuchen. Zum Schutz vor den Hexen malte man weiße Kreuze an Häuser und Stallungen oder streute geweihtes Salz auf die Türschwellen. Die Besen wurden in dieser Nacht mit dem Reisig nach oben aufgestellt. Mancherorts war es üblich, dass die jungen Männer mit Peitschen knallend durch die Straßen zogen.

Die Bräuche haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Die wenigsten wissen wahrscheinlich noch um den Ursprung der Walpurgisnacht. Übriggeblieben ist teilweise nur noch das als Schabernack gedachte Beschädigen und Entwenden des Eigentums Anderer, um diese zu ärgern. Auf dem Brocken, dem Hexentanzplatz und der benachbarten Rosstrappe -mutmaßliche Zentren des alten heidnischen Walpurgisnacht-Brauchtums im Harz - ist davon heute nur noch eine Touristenattraktion übrig geblieben

Viele Walpurgisriten leben in bäuerlichen Maibräuchen fort. Im Volksbrauchtum schützte man seinen Hof durch nächtliches Peitschenknallen, ausgelegte Besen und Maibüsche . Der Maibaum , meist eine Birke, ist zugleich Fruchtbarkeitssymbol und Darsteller des Weltenbaums . Zu Walpurgis werden traditionell die Maibäume aus dem Wald in den Ort geholt, um sie der Liebsten vor das Haus zu stellen. In der Dorfmitte wird um den Baum getanzt. Der Baum symbolisiert so die Fruchtbarkeit der Natur, die zu den Menschen gebracht wird. Rituelle Liebesakte auf den Feldern in vorchristlicher Zeit sollten angeblich die menschliche Fruchtbarkeit auf den Ackerboden übertragen. Eine besondere Rolle spielen hierbei die Brautstein genannten Monolithen im Wendland (zum Beispiel in Woltersdorf und Trebel ), die man als versteinerte Brautpaare ansah. Es soll Sitte gewesen sein, dass in der Walpurgisnacht Mädchen mit entblößten Genitalien über diese Steine rutschten, um sich dabei ihren Liebhaber zu wünschen.

Viele der Bräuche bei Frühlingsfesten ranken sich um junge Paare, die symbolisch für die menschliche Gemeinschaft stehen. Der Gang zwischen zwei Walpurgisfeuern soll reinigen und Seuchen fernhalten (Walpurgis gilt als Schutzheilige gegen Pest, Husten und Tollwut). Die auch heute noch in weiten Teilen Deutschlands gefeierten Hexenfeuer gehen mutmaßlich auf diese Tradition zurück. Mit der sehr rigoros gehandhabten Christianisierung nicht nur in Deutschland wurden diese alten Bräuche als heidnisch verdammt, die ursprüngliche, nach Ansicht einiger Forscher auf matriarchalische Gesellschaftsstrukturen zurückgehende Bedeutung ging verloren und in harmlos-ländlichem Jugendbrauchtum auf.


à und die Feuerläufer kriegen für ihren Einsatz auch 30 xer „so sie auf's Zeilsheim geloffen seindt.“


Das war für die Feuerläufer, gemessen an anderen Einsätzen, noch eine Kurzstrecke, die Altenhainer Feuerläufer mussten schon in Hanau löschen.



Das war mein Ausflug in die dörfliche Vergangenheit um 1700 in Altenhain.




©  Altenhainer GeschichtsVerein e.V.
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